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01.07.2026 Kategorie: Gemeinde

Das Jahr 2025/26 im BPPV

Und die aktuelle Lage der Landeskirche aus Sicht des Vorsitzenden

Nach der Neuwahl des Vorstands und damit auch des Vorsitzenden im Jahr 2023, ist der Vorstand inzwischen gut ins Arbeiten gekommen. Wir treffen uns in der Regel vier bis sechsmal im Jahr. Bei der letzten Mitgliederversammlung wurde auch ein neuer Schatzmeister gewählt, da Dr. Martin Senftleben zum Ende 2025 von all seinen Ämtern im BPPV zurückgetreten ist. Georg Meyer wurde für diese Aufgabe gewählt und hat trotz mancher Startschwierigkeiten (Bankvollmacht, Abrechnungssoftware…) nun die Kassengeschäfte übernommen.

Schwierig gestaltete sich im letzten Jahr die Umstellung des Beitragseinzugs bei den Emeriti, da die NKVK sich außerstande sah, die beschlossene Beitragserhöhung im Rahmen der Pensionszahlungen umzusetzen. Immerhin wurden von Seiten der NKVK Briefe mit der Bitte, auf ein Einzugsverfahren umzustellen, verschickt. Diese Umstellung ist inzwischen weitgehend abgeschlossen.

Im letzten Jahr konnte auch eine Homepage für den BPPV im Rahmen des landeskirchlichen Baukastens eingerichtet werden. Leider lässt sich die Seite noch nicht bei den einschlägigen Suchmaschinen finden, was womöglich auch an den geringen Klickzahlen liegt.

Wie bereits im letzten Jahr angekündigt, fand im Januar ein Frühstück für Pfarrpersonen in den letzten Amtsjahren statt. Zu diesem Frühstück wurden alle Pfarrerinnen und Pfarrer unserer Landeskirche eingeladen, die sich selbst in ihren letzten Amtsjahren sahen. 22 Pfarrerinnen und Pfarrer sind zu diesem Treffen gekommen und der Verbleib im Amt reichte von ein paar Monaten bis fast 10 Jahren. Nach vielen persönlichen Gesprächen (einige haben sich seit Jahren zum ersten Mal wiedergesehen) fand eine Gesprächsrunde statt, mit der Fragestellung, wie es uns in unseren Dienstjahren ergangen ist und was wir uns in den letzten Amtsjahren für uns erhoffen oder uns wichtig ist. Da war von schwindenden Kräften die Rede und es wurde bedauert, dass es bei uns keine Alterszeitregelungen gibt, sondern im Gegenteil die Arbeitsbelastung kontinuierlich und besonders stark in den letzten Jahren erhöht wurde. Aber auch Resignation, Frustration, Enttäuschung und persönliche Verletzungen wurden benannt. Hinsichtlich der anstehenden Strukturreform gab es unterschiedliche Meinungen. Von großer Skepsis bis hin zu der Aussage: Das musste sein. Einig war man sich, dass es kein „Weiter so“ geben kann. Durchaus war auch bei den Anwesenden der Wille spürbar, die Reformen mit auszugestalten, auch um den „Jüngeren“ geordnete Verhältnisse übergeben zu können.

Für das nächste Jahr überlegt der Vorstand ein Frühstück für Pfarrpersonen in den mittleren Amtsjahren. Selbstverständlich wird die gute Tradition des Frühstücks für Pfarrpersonen in den ersten Amtsjahren fortgesetzt.

Der Pfarrerinnen- und Pfarrertag konnte 2025 in gewohnter Weise stattfinden. Thema war die Frage, was all die Veränderungen im kirchlichen Raum, die ja deutlich weitreichender sind als rein strukturelle Veränderungen, mit uns, unserem Pfarrbild und unserer Rolle machen. Hierzu präsentierte Mirko Gremse zehn interessante Thesen, die uns ins Nachdenken und Diskutieren brachten. Deutlich wurde mir bei den anschließenden Gesprächen, dass die jüngere Pfarrgeneration weitaus offener auf Veränderungen zugeht und längst nicht mehr in den „alten Mustern“ verhaftet ist.

Erfreulich unkompliziert fand die regelmäßig im Herbst stattfindende Emerititagung statt, wenngleich die Teilnahmezahlen nicht ganz den Erwartungen der Vorbereitungsgruppe entsprachen. Das Thema war mit „Neues von Gott“ benannt worden und es wurde in vielerlei Hinsicht theologisch gearbeitet. Leider war es dem Vorstand 2025 aufgrund der Herbstferien nicht möglich, die Tagung zu besuchen. Ein großes Dankeschön gilt aber einmal mehr der Vorbereitungsgruppe um Georg Babke und Henning Kühner.

Hinsichtlich des Verzeichnisses im Pfarramtskalender sind wir guter Hoffnung, dass die breite Abfrage bei allen im Dienst befindlichen Pfarrpersonen zu guten Ergebnissen geführt hat. Dennoch wird man sich mittelfristig fragen müssen, ob dieses Verzeichnis aufgrund des sich veränderten Nutzerverhaltens, der Kosten und des Aufwands zukünftig noch gedruckt werden soll. Zu erwähnen ist, dass der Druck in diesem Jahr von einer neuen Druckerei übernommen wurde, so dass sich auch die Fristen leicht verändert haben.

Das Dauerthema der Entschädigung für die „zwangsweise“ erfolgte Stellenteilung bis 2004 war auch 2025 in der Pfarrvertretung präsent. Bedauerlicherweise sind die bisherigen Gespräche alle ergebnislos geblieben. Das liegt nicht zuletzt auch daran, dass die anderen konföderierten Landeskirchen sich mit der Thematik schwertun und es juristisch in unserer Landeskirche keine wirkliche Handhabe gibt. Dennoch werden wir die Thematik auch mit der neuen Personalchefin, Frau Dr. Winkelmann, weiterverfolgen.

Im Rahmen der Arbeit im Pfarrerverband, der bundesweit die Interessen der Pfarrerschaft vertritt und von den verschiedenen Pfarrvereinen getragen und finanziert wird, haben auch im letzten Jahr Mitglieder des Vorstands an verschiedenen Sitzungen und Zusammenkünften teilgenommen. Diese Zusammenkünfte sind sehr wertvoll, da sie uns an allgemeinen Entwicklungen innerhalb der EKD teilhaben lassen und Einblicke in die Arbeit in anderen Landeskirchen gewähren.

Das sog. Nordschienentreffen der Pfarrvereine im Norden Deutschlands, welches jährlich von Rosenmontag bis Aschermittwoch stattfindet, wird im nächsten Jahr in unserer Landeskirche stattfinden. Geplant ist unter anderem ein Besuch im VW Werk Wolfsburg und ein Gespräch mit der dortigen Personalchefin sowie des Betriebsrates.

Das wohl prägendste Thema des letzten, wie auch des laufenden Jahres ist die geplante Strukturreform in Folge des Zukunftsprozesses. Hierzu wurde im ersten Halbjahr 2025 ein breit angelegter Beteiligungsprozess durchgeführt, dessen Grundlage das 2024 verfasste Eckpunktepapier war. Dieser Beteiligungsprozess wurde in seiner Durchführung, wie auch in den dokumentierten Ergebnissen sehr unterschiedlich wahrgenommen. Während sich Propsteisynodale vor allem aus Propsteien mit vielen Vakanzen tendenziell eher veränderungsbereit zeigten und in ihren Anliegen gut verstanden fühlten, war das in anderen Propsteisynoden ganz anders und es gab den Eindruck, dass reformkritische Stimmen bewusst klein gehalten wurden. Aus den Ergebnissen des Beteiligungsprozesses wurde schließlich ein überarbeitetes Eckpunktepapier erstellt, welches von der Landessynode im November 2025 auch tatsächlich beschlossen wurde. Im Zentrum der Reform steht die Reduzierung der Propsteien auf zukünftig vier Propsteien, sowie die Bildung von höchstens vier Regionalkirchengemeinden pro Propstei mit mindestens 10.000 Gemeindegliedern, zu denen sich die bestehenden Gemeinden bis 2029 fusionieren sollen.

Zwar beinhaltet die Zusammenlegung der Propsteien grundsätzlich verhältnismäßig wenig kirchenpolitischen Sprengstoff, das Tempo der Zusammenlegung, nämlich einer Fusion zum 01.01.2027, wurde jedoch mancherorts scharf kritisiert. Schon hier zeigt sich deutlich, dass das angestrebte Tempo und der Reformwille in der Landeskirche sehr unterschiedlich sind.

 

Weitaus kritischer wird dagegen von vielen die Bildung der angestrebten Regionalkirchengemeinden gesehen. Es wird von einer Enteignung und Entmachtung der Kirchengemeinden und ihrer Kirchenvorstände gesprochen und für manch einen gleichen die Beschlüsse „dem Untergang des Abendlandes“. All das wird hoch emotional diskutiert und die Fronten scheinen mir extrem verhärtet zu sein.

Wie bereits zu Beginn des Jahres beschrieben, gehöre ich zu denen, die den Beschlüssen der Landessynode eher positiv gegenüberstehen, da ich der Überzeugung bin, dass gerade aus pastoraler Sicht das zu versorgende Netz nicht immer noch weiter gedehnt werden kann. Persönlich vermisse ich daher an vielen Stellen einen erwachsenen und sachlichen Umgang mit der Situation. Dennoch sehe ich die große Gefahr, dass es durch die Beschlüsse (gerade weil sie so emotional diskutiert werden) zu einer regelrechten Spaltung und Lähmung innerhalb unserer Kirche kommen kann. Dem sollte unbedingt und mit aller Kraft entgegengewirkt werden. Nicht etwa, indem die Beschlüsse zurückgenommen werden, sondern indem wir vielmehr konstruktiv mit ihnen umgehen und als Pfarrerinnen und Pfarrer unseren Beitrag dazu leisten, dass am Ende etwas Gutes dabei herauskommt.

Freilich ist noch nicht absehbar, was die Strukturreform für uns im Einzelnen konkret bedeuten wird und die Tatsache, dass vieles erst noch gedacht werden muss und noch nicht klar beschrieben ist, macht es nicht leichter. Aber hinter den Kulissen wird intensiv an der Ausgestaltung bzw. inhaltlichen Füllung des Synodenbeschlusses gearbeitet. Ich selbst, als jemand der bei der Ausgestaltung mitdenken und -reden darf, bin guter Hoffnung, dass die „Dinge“ im Sinne einer weiterhin lebendigen Kirche Gestalt gewinnen und kirchliches Engagement vor Ort nicht zerstört, sondern ermöglicht wird. Gerade angesichts des deutlich kleiner werdenden Personalbestands halte ich es für einen guten und wichtigen Schritt, Verwaltungsaufgaben konsequent zu regionalisieren, nicht länger vorwiegend bei den Pfarrpersonen zu verorten und die Arbeit vor Ort davon zu entlasten. Auch die zunehmend mehr geforderte Arbeit im Team (auch und gerade bei den Pfarrpersonen) halte ich für zukunftsfähiger als das weit verbreitete „Alleinkämpfertum“.

Grundsätzlich bin ich der Überzeugung, dass Strukturen, auch wenn sie in ihrer konkreten Gestalt mal mehr, mal weniger dem eigentlichen Ziel dienen, noch nichts darüber aussagen, wie kirchliches Leben letztendlich Gestalt gewinnt. Von daher wird es immer darauf ankommen, was engagierte Menschen vor Ort, wie auch wir als Pfarrpersonen innerhalb der Struktur machen, wie wir uns einbringen und wie wir Kirche gemeinsam gestalten. Wir sollten nicht vergessen, dass Strukturen immer nur einen Rahmen darstellen, einen Rahmen, der gefüllt werden will und grundsätzlich noch nichts über gelingendes oder nicht gelingendes Gemeindeleben aussagt.

Ansonsten ist anzumerken, dass drei zentrale Stellen innerhalb der Kirchenleitung neu besetzt wurden. Das Rechtsreferat wurde bereits im August mit Frau Bönsch neu besetzt, im Januar hat Frau Dr. Winkelmann die Nachfolge von Frau Brand-Seiß als Personalreferentin angetreten und seit 1. Mai 2026 haben wir mit Frau Dr. Bammel eine neue Landesbischöfin. Mit allen dreien hat es von Seiten der Pfarrvertretung erste Gespräche gegeben und wir hoffen auf eine gute zukünftige Zusammenarbeit.

Mein Dank gilt allen Kolleginnen und Kollegen, die trotz bisweilen schwieriger Umstände treu ihren Dienst tun und damit Kirche an ganz vielen Orten ein positives Gesicht geben.

Mein besonderer Dank gilt heute aber meinem Vorstand und insbesondere Matthias Blümel, unserem 2. Vorsitzenden, für die gute Zusammenarbeit und Unterstützung in allen Belangen.

 

Werlaburgdorf im Juni 2026

 

Beitrag von Frank Ahlgrim